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Jahresrückblick 2006

Hardware

Schon zur CeBit 2006 warf Intels Core 2-Prozessor seinen Schatten voraus. Mit dem Namenswechsel und dem Slogan „Leap Ahead“ zeigte Intel entschlossen, dass mit dem neuen Produkt zu rechnen sei. Core Duo und Solo wurden vorerst als Notebookprozessoren eingesetzt, jedoch dauerte es nicht lange bis entsprechende Motherboards auf den Markt kamen und somit den Prozessor auch für den Desktopeinsatz in Position brachten. Im Desktopsegment blieb der Core Prozessor aber nur ein Nischenprodukt, jedoch im mobilen Segment untermauerte das neue Rennpferd den Vorsprung der Centrinoplattform gegenüber den Produktangeboten des Mitbewerbers. AMD konterte mit Preissenkungen der Turion 64 Mobilprozessoren, denn im Bereich Dual Core hatte AMD im mobilen Segment Intel bis Mitte Mai nichts zu entgegnen. Dann stießen die Turion 64 X2 Modelle ins Portfolio von AMD, was jedoch erst einmal nur wenig Beachtung fand. Einen besonders langen Produktzyklus sollten die Core-Prozessoren wohl nicht bekommen, kündigte Intel doch schon früh die Core 2 Prozessoren für den mobilen und den Desktop-Bereich an.

Im Juli erfolgte dann die offizielle Vorstellung des Core 2 Duo, mit dem Conroe- und Allendale-Kern für das Desktopsegment später mit dem Merom-Kern auch für das mobile Segment. Die neuen Produkte zeigten sich komplett konträr zu den Intel Produkten der bisherigen Netburst-Architektur und punkteten gerade in Bereichen, die bislang die AMD-Domäne waren: Pro-MHz-Leistung und Energieeffizienz. Selbst Intels Einsteigerprozessoren kratzten zum Teil an der Leistungsfähigkeit von AMDs Spitzenprodukten. AMD reagierte darauf mit massiven Preissenkungen, teilweise mit über 50 Prozent um ein Argument gegen die neue, starke Konkurrenz in der Hand zu halten. Zu allem Ungemach für AMD kündigte Intel im August einen Quad-Core Desktopprozessor an, welcher im November dann auch offiziell vorgestellt wurde. AMDs Antwort darauf erfolgte spät. Die ursprünglich als 4x4 Plattform bezeichnete Bündelung aus zwei AMD X2-Prozessoren wurde unter dem Namen Quad-FX vorgestellt. Dieses Produktangebot sieht zwei Dual Core Athlon 64 FX Prozessoren auf einem Mainboard mit Nvidia nForce 680a SLI vor.

Auf dem AMD Analyst Forum in Berkeley (Kalifornien) präsentierte AMD einen nativen Quad-Core Prozessor, welcher vier Kerne auf einem Die vereint, im Gegensatz zu Intels Quad-Core, welcher zwei Dual-Core Dies vereint hat. Die Leistungsaufnahme des Barcelonakerns soll mit 120 Watt gleich hoch sein wie bei den aktuellen Opteronmodellen mit zwei Kernen. Weiter kündigte AMD im Dezember den erfolgreichen Die-Shrink von 90nm auf 65nm an und führte die neuen Prozessoren auf dem Markt ein, erwiesen sich aber als leicht langsamer als die 90nm Produkte. Letztendlich kam noch das Gerücht auf, dass sie AMD vom Modell-Rating verabschieden will, was je nach dem wie die neuen Namensgebungen aufgebaut werden sollen, zu begrüssen ist. So gibt es mittlerweile diverse Prozessoren mit dem gleichen Modell-Rating, jedoch unterschiedlichen Ausstattungen bei Cachegröße oder Prozessortakt.

ATI veröffentlichte im Januar die X1900 Serie um sich gegen das GeFroce 7800 GTX 512 Modell von NVIDIA durchzusetzen. Überhaupt schien der Markt mit den Grafikprozessoren einem Katz und Mausspiel. So veröffentlichte NVIDIA die GeForce 7950 GX2, welche in einer Grafikkarte zwei GPUs integriert hat. Diese Grafikkarte eröffnete Enthusiasten dann auch Quad-SLI-Möglichkeiten. Darauf folgten diverse weitere, etwas leistungsschwächere Modelle von NVIDIA. ATI hingegen brachte eine überarbeitete Version des R580 als X1950XTX auf den Markt, etwas später folgte der RV570 als X1950Pro. NVIDIA setzte sich aber mit dem Erscheinen der GeForce 8800 für das Jahr 2006 endgültig die Leistungs-Krone auf. Zudem ist dies die erste Grafikkarte, welche Microsofts Direct3D 10 unterstützt. ATI soll nach Gerüchten mit dem R600 eine starke Antwort in der Hinterhand halten, musste den Launch aber mehrfach verschieben, zuletzt in den Februar 2007.

Im Segment der Festplatten zeigte sich Seagate als innovativ im Markt. So stellte im Februar der Marktführer eine 1-Zoll-Harddisk mit 12 GB Speicherkapazität vor, was einen neuen Rekord darstellt. Im November kündigte Seagate Notebookfestplatten mit interner Hardwareverschlüsselung nach AES-Algoryhtmus vor. Der grosse Vorteil ist der minimale Administrationsaufwand und die Betriebssystemunabhängigkeit. Die Frage ist jedoch, wie stark sich die laufende Verschlüsslung auf die Performance auswirkt, bisher ist dies noch nicht geklärt. In abgelaufenen Jahr wurde die vertikale Aufzeichnung – als perpendicular Recording bekannt – salonfähig und diverse Hersteller stellten auf diese Technik um, welche deutlich höhere Speicherdichten erlaubt und somit Festplatten mit höherer Speicherkapazität möglich werden. Western Digital erhöhte Anfang des Jahres die Kapazität der Raptorserie auf 150 GB und stellte dazu die Raptor-X vor, welche einen transparenten Deckel aufweist und somit den Blick auf das innere der Harddisk preisgibt. Stellt sich nur die Frage, wer unter den Tisch kriecht um der Festplatte bei den nervösen Lesekopfbewegungen zusehen will.

Im Speicher- und Mainboardsegment konnten wir im vergangenen Jahr vermehrt Marketingaktivitäten feststellen um ein Produkt hochwertiger erscheinen zu lassen als es tatsächlich ist. So stellte OCZ zwei DDR2 Kits vor, welche "SLI Ready" sind und spezielle Einstellungen hinterlegt haben, welche nur durch den nForce 590 SLI Chipsatz gelesen werden können. Auch ein entsprechender CrossFire-Speicher darf natürlich nicht fehlen. OCZ war es dann auch, welche ein neues Heatspreader-Design vorstellte und dem Anwender suggeriert, dass hier wirklich ein Mehrwert vorliegt, wobei der Nutzen stark in Frage gestellt werden muss. Letztendlich dienen die Heatspreader nur als Blickfang. Ebenso bei der "Spezial OPS Edition" ist der Heatspreader ein Blickfang. Mit dem Speicherriegel PC2-9200 FlexXLC stellte OCZ sogar ein Modul vor, welches wassergekühlt wird, was bei einer Versorgungsspannung von 2,35V wohl auch nötig sein dürfte ;).

Corsair seinerseits stellte die Dominatorspeicherserie vor, welcher mit einem neuartigen Heatspreader mit Kühlfinnen ausgerüstet ist. Die Latenzen von 4-4-4-12 bei 555,5 MHz Takt wird Enthusiastenherzen höher schlagen lassen. Auch Speichermodule von Kingston erreichten mit Taktfrequenzen von 600 bzw. 575 MHz den Markt und sollen Enthusiasten ansprechen. Hynix hingegen hatte bei einem Raubüberfall Speicherchips in der Höhe von 306.000 US-Dollar verloren. Man nimmt an, dass das Diebesgut nach China gebracht wurde.

ASUS stellte mit dem COMMANDO Gaming Mainboard vor, welches vom Namen her schon für den Gamer angedacht ist. Als Kaufargument veröffentlichte der Hersteller einen CPU-Z Screenshot mit einem FSB von 2296 MHz (574 MHz Quadpumped). Für die AMD Prozessoren brachte ASUS die Striker Edition auf den Markt, welches sich mit einer aufwändigen Heatpipe-Konstruktion auszeichnete. Auch eine etwas spezielle Kühlung im Turbinenaufbau zeigt das GA-G1975X Mainboard von Gigabyte, wobei sich die Lautstärke durchaus der Optik anpasste ;). ASRock zeigte sich als innovativer Mainboardhersteller. So brachte der Fabrikant diverse Spezialitäten auf den Markt. Zum einen konnte ein Mainboard mit Sockel 775 und Intel 865PE Chipsatz realisiert werden, welches den Pentium D aufnahm, eigentlich eine Kombination, welche von Intel nicht vorgesehen wurde. Oder das Mainboard auf der Basis der ULi M1697-Chipsatzes für den Sockel 939, welches SLI anbietet, obwohl kein nForce Chipsatz auf der Platine verlötet ist. SLI ist dann auch nur über einen gepatchten Treiber möglich, was die Zukunftssicherheit nicht gerade unterstreicht. Mit dem 775i65G wurde ein Mainboard vorgestellt, welches trotz betagtem i865G Chipsatz Unterstützung für den Core 2 Duo mit Conroe-Kern bot. Bei aller Ingenieurskunst darf nicht vergessen werden, dass alle diese ASRock-Lösungen nicht den Spezifikationen der Hersteller Intel, AMD oder NVIDIA entsprechen und somit – auch in unserem Forum bestens bekannt – Probleme im Betrieb haben können. Mit der Gigabyte Union bildeten ASUS und Gigabyte ein Joint Venture um die Marktposition gegenüber der Konkurrenz wie MSI, ESC oder Foxconn zu verbessern.

Im Bereich Hardware fand sich noch das Optimus-103 Keyboard, welches sich durch OLED-Display auf den Tasten auszeichnet und im Januar 2006 als „kommt demnächst auf den Markt“ angekündigt wurde. Auch der wirkliche „iPod-Killer“ wird nach wie vor gesucht, nach dem sich Microsofts Zune nicht als Killer erweisen konnte.



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