Der VIA K8T800 Chipsatz (Fortsetzung)
Darüber hinaus gibt es nicht wirklich etwas Spektakuläres über diesen Chip zu berichten. Die Anbindung zum
Prozessor erfolgt über AMDs vorgesehenes Hyper-Transport Protokoll. VIA spricht bei ihrem K8T800 Chipsatz
von Hyper 8 Technologie, was letztlich das gleiche bedeutet. Allerdings bewirbt VIA seine Funktionalität
mit sehr viel Energie und Aufklärungsarbeit.
AMDs Hyper-Transport Protokoll sieht eine Bandbreite zwischen Prozessor und "Peripherie" von gigantischen
6.4 GB/s (maximal) vor. Ganz so beeindruckend wie diese Zahl auf dem Papier wirkt, ist sie letztlich aber
doch nicht. Die Ermittlung erfolgt über folgende Berechnungsformel:
1600 MHz (800 MHz x2 w/ DDR) x 16-bit Breite (2-bytes) x 2 (Full Duplex) = 6.4 GB/s
Der Umstand, dass das Hyper-Transport Protokoll es erlaubt, Full Duplex Up- und Downstreams simultan zu betreiben,
veranlasst AMD dazu die Bandbreite noch einmal mit dem Faktor 2 zu multiplizieren. Dabei muss natürlich die
Betonung auf simultan liegen, denn andere Lösungen sind derzeit nur Single Duplex fähig, was letztlich bedeutet,
dass die volle Bandbreite entweder im Up- oder im Downstream anliegt. Diese Beschränkung gilt für AMDs Lösung
derzeit nicht. Dennoch bleibt der Upstream bei 3.2 GB/s und der Downstream ebenfalls bei 3.2 GB/s. Zurück zu VIAs
K8T800. VIA erfüllt die AMD Voraussetzungen vollends und bewirbt diese dabei auch mit Nachdruck, denn der
derzeitige Kontrahent NVIDIA kann mit diesen Werten letztlich nicht glänzen.
Die derzeitige nForce3 Familie ist derzeit lediglich mit 600 MHz (1200 MHz DDR) von der CPU zum Chipsatz
(Downstream) mit 16-Bit Breite angebunden (= 2.4 GB/s) und vom Chipsatz zum Prozessor (Upstream) mit ebenfalls
600 MHz (1200 MHz DDR), jedoch nur 8-Bit Breite (= 1.2 GB/s) angebunden. Damit ist der nForce3 nach AMDs
Bandbreitenberechnung derzeit nur in der Lage, eine Bandbreite von insgesamt 3.6 GB/s zu liefern. Die nette
"Verdopplung" der Bandbreite im Up- / Downsteambereich ist also gerade hier irreführend. Doch wie dem auch sei,
VIAs jüngster Chipsatzspross liefert volle Leistung, was letztlich auch ein vom Hersteller veröffentlichtes
Tool prüft und eben mit diesem Tool wird VIA die korrekte Umsetzung bestätigt, NVIDIA eben nicht.
Doch bitte, lassen wir das Marketing einmal außer Acht, so sollte diese Bandbreite eben nicht "Overkill"
bedeuten, sondern dem System einen Nutzen verschaffen. Überlegen wir kurz: Ein Wechsel bei VIA V-Link 8x
ermöglichte eine Verdopplung der Bandbreite auf 533 MB/s, doch war eine Leistungssteigerung im Alltag nicht
nachzuvollziehen. SiS mit seinem MuTIOL ermöglichte schon vor einer Weile 1066 MB/s, doch auch hier zeigte
sich in der Anbindung zwischen South- und Northbridge kein wirklicher Erfolg in Form einer Leistungszunahme.
So stünde NVIDIA hier im Upstream immerhin mit 1.2 GB/s sattem Upstream immerhin noch sehr gut dar.
VIA kann hier 3.2 GB/s bieten. Diese Umstände könnten möglicherweise erklären, weshalb die VIA Chipsätze in
unseren zuletzt gezogenen Vergleichen meist schneller
arbeiteten, doch die Erklärung trifft nicht die Tatsachen, denn selbst ein Herabsetzen des Taktes von 800 MHz
auf 400 MHz beim VIA Kandidaten führte zu kaum nennenswerten Leistungseinbussen. Gleiches erlebten wir eben beim
Herabsetzen der Bus-Breite von 16 auf 8 Bit. Damit bleiben wir zwar weiterhin eine Erklärung für die
Leistungsunterschiede zwischen VIA K8T800 und NVIDIA nForce3 schuldig, doch können wir eingrenzen, dass sie nicht
mit dem Marketing trächtigen "Hyper-Transport-Protokoll" einhergeht.
Aber zurück zum K8T800: Während VIA gerne darauf verweist, dass man zum Mitbewerber hier die besseren
Voraussetzungen bietet, wird dennoch gerne unberücksichtigt gelassen, dass die Southbridge weiterhin mittels
des 8x V-Link und damit 533 MB/s Bandbreite, an die Northbridge dieser Zwei-Chip-Lösung angebunden wird.
Und auch das neue VIA Protokoll, als Ultra V-Link bezeichnet, auf dem Papier bereits fertig doch in der
Praxis noch nicht im Einsatz, ändert mit 1066 MB/s nichts. Damit verpufft praktisch die HT-Bandbreite von
3.2 GB/s, denn die Peripherie-Daten werden erst einmal mit den genannten Bandbreiten über das V-Link Protokoll
zur Northbridge transportiert, bevor sie dort mit maximal 3.2 GB/s zur CPU weitergeleitet werden könnten.
Zahlenspiele halt.
Doch mögen wir an dieser Stelle keinesfalls die AMD HT-Technologie schmälern. Sie birgt enorme Vorteile in
sich und zwar immer dann, wenn Mehrprozessoren-Systeme zum Einsatz kommen, denn auch diese werden mittels
dieser Technologie untereinander angebunden und dort kann dann in der Tat die gesteigerte Bandbreite den einen
oder anderen Flaschenhals vermeiden. In den üblichen und bekannten Desktop-Systemen muss jedoch klar gesagt
werden, dass die Hyper-Transport-Technologie dort derzeit mehr ein Slogan, ein Verkaufsargument, als ein
wirklicher Vorteil ist.
Davon abgesehen beinhaltet der VIA K8T800 Chipsatz dann praktisch keine technischen Neuerungen. Die VT8237 Southbridge
selbst ist schon eine Weile am Markt und findet auch auf anderen VIA Chipsätzen wie z.B. dem
KT600 einen Platz. Mit 8 USB 2.0 Ports,
6 möglichen PCI-Slots, 2 UDMA 133 und 2 SATA (RAID) Schnittstellen bietet der Chip das, was man von modernen
Peripherie Controllern erwartet. Darüber hinaus findet sich ein integrierter LAN Controller, sowie eine
5.1 fähige Soundeinheit. Durch den Einsatz des VIA eigenen Envy24PT Audio Chips ist es sogar möglich, die
erste 8 Kanal (7.1) onboard Soundlösung umzusetzen. Leider trafen wir bislang in der Praxis noch auf keinen
Kandidaten, welcher dieses VIA Feature im Gepäck hatte.
VIAs K8T800 ist alles in allem betrachtet, zwar keine großartige technische Innovation, doch bleibt
festzuhalten, dass der Hersteller sicherlich nicht falsch handelte, in dem er gut funktionierende Chipsätze
derart veränderte, dass sie Athlon 64 tauglich wurden. Den Mainboardherstellern erleichtert es die Arbeit allemal.