Spezifikationen: Latenzen, Spannungen und Garantien
Unter der Bezeichnung Spezifikation kann man viele Betrachtungsweisen vereinen und auch leicht in die Irre geführt werden. Gehen wir von einer DDR400 Spezifikation aus, so wird diese durch die JEDEC (Joint Electron Device Engineering Council) verabschiedet. Dann gibt es aber auch die Spezifikation des jeweiligen Speichermoduls selbst, die der Modulhersteller gemäß seinen eigenen Validierungen festlegt und durchaus entgegen einer JEDEC Spezifikation stehen kann.
Gute Beispiele dafür sind so genannte LowLatency Module, bei welchen die möglichen Latenzzeiten vom Speicherhersteller deutlich unter jenen der JEDEC empfohlenen, im Speicher SPD (Serial Presence Detect) hinterlegt werden. Letztlich kann es dann noch eine Spezifikation seitens des Chipsatzherstellers geben und auch diese kann durchaus von der JEDEC Norm abweichen.
I. Spannungen
Die aktuellen JEDEC DDR-SDRAM Spezifikationen (März 2003) wurden um den DDR400 Standard nun erweitert und beinhalten relativ wenig Änderungen. Nach wie vor bleibt man bei der maximalen Spannungsangabe von 2.7V für DDR-SDRAM Module mit der kleinen Änderung, dass DDR400 basierenden Speichermodule mit 2.6V Defaultspannung mit einer Toleranz von +/-0,1V arbeiten sollen, wohingegen die bisherigen DDR200/266/333 Module auch weiterhin mit 2.5V und einer Toleranz von +/-0,2V betrieben werden können.
Es mag sicher einen Grund haben, warum die der JEDEC anhängigen Firmen, unter denen natürlich auch alle namhaften Speicherhersteller zu finden sind, solche Grundlagen verabschieden. Wir rufen erneut ins Gedächtnis: Mehrspannung führt zu größer Wärme und die muss abgeleitet werden. Dabei gilt weiterhin zu berücksichtigen, dass der kritische Wert dabei die VDD, also die Kernspannung der Chips ist. Die heute internen geregelten Speichermodule arbeiten nämlich regelmäßig lediglich mit einer Spannung von 1,8V und ein interner Spannungswandler muss die ankommende Spannung von z.B. 2.7V auf die internen 1.8V herunterregeln.
Die Mehrleistung wird also in Wärme umgesetzt und der Spannungswandler könnte zu Schaden kommen. Natürlich werden Markenspeichermodule immer hochwertiger in der Verarbeitung und die Komponenten wie beispielsweise Spannungsregler ebenso. Dennoch sieht man offenbar genau hier noch immer Probleme, weshalb es eben an diesem Punkt keine Änderungen gab und man sich auch weiterhin auf die sichere Seite stellt.

An dieser Stelle treten natürlich die Hersteller und Anbieter von so genannten HighEnd Speichermodulen mit anders lautenden Garantien aufs Parkett. Hersteller wie GeIL oder OCZ garantieren teilweise bei ihren Speichern den Betrieb bei höher anliegenden Spannungen. Hier sollte man dann aber zwingend Einblick in die Produktspezifikationen beim Hersteller auf der Webseite nehmen, denn diese weichen zum Teil von Modul zu Modul ab.
Teilweise bewirbt GeIL hier sogar waagemutig Spannungen von bis zu 3.1V. Allerdings gibt es wohl nur wenige Mainboards im i865/i875 Segment, die solche Zugaben überhaupt erlauben. Corsair hingegen weist vorsichtig daraufhin, dass man 2.8V nicht überschreiten sollte und gibt als Testspannung in ihren Datenblättern immer 2.75V an.
Letztgenannter Wert, also 2.75V ist auch unsere Empfehlung, was die maximale Spannung angeht, denn damit sollten die internen Spannungswandler auch im Dauerbetrieb keine Probleme bekommen, sprich Schaden nehmen. Wir geben ebenfalls noch zu bedenken, dass oftmals die Mainboardhersteller etwas Mehrspannung auf die im BIOS mögliche Voranwahl geben. So ist hier in aller Regel mit weiteren 0,03 bis 0,04V Mehrspannung zu rechnen.
Bleibt uns vielleicht abschließend zum Thema Spannungen noch der Hinweis, dass Intel bei der Einführung des i875P Chipsatzes in ihren Datenblättern von einer Defaultspeicherspannung von 2.6V, mindestens 2.55V und maximal 3.0V spricht. Dieser Umstand mag als Empfehlung betrachtet werden, wird jedoch mit Sicherheit von den Speicherherstellern so nicht umgesetzt werden. Ein wertvoller Hinweis aber allemal für den Betrieb auf i865/i875 Plattformen, denn eine bislang übliche Defaultspannung von 2.5V ist schlicht zu wenig und bei unseren ersten Tests von Mainboards mit diesen Chipsätzen war die werksseitige Einstellung eben 2.5V.