Ein Blick zurück
Bereits in der Einführung hatten wir ein paar Daten bezüglich der Vorstellung einiger Intel Prozessoren genannt. Vor etwas über einem Jahr gelang es Intel, die 2-GHz-Marke zu durchbrechen. Jedoch, Schnee von gestern? Ein Pentium III mit 500 MHz wurde erstmals im März 1999 präsentiert und es dauert dann schließlich ein ganzes Jahr, bis es Intel gelang, die magische 1-GHz-Grenze mit ihrem Pentium III im März 2000 zu durchbrechen. 500 MHz Steigerung in einem Jahr waren dies. Aber nur etwa knapp 1,5 Jahre später erreichte der Hersteller die 2-GHz-Marke und wiederum etwa den gleichen Zeitraum später erreichen wir 3 GHz.
Zu gerne verlieren wir Hardwareredakteure, welche wir täglich mit neuesten Errungenschaften der Computertechnik und immer schneller arbeitenden Hardwarekomponenten konfrontiert werden, den Bezug zum realen Anwender. Man möge vielleicht bedenken, schaut man sich einmal in seinem Bekanntenkreis um, wie viele der Anwender sich vor ein paar Jahren einen Computer gekauft haben und noch heute in der seinerzeitigen oder allenfalls leicht veränderten Konfiguration arbeiten. Ich selbst muss nur sehr kurz nachdenken und bin in der Lage, eine Handvoll lieber Freunde aufzuzählen, deren Systeme mit Prozessoren im Bereich zwischen 500 MHz und 1 GHz Takt arbeiten.
Es drängt sich also durchaus die Frage auf, wohin uns die rasante Technikentwicklung geführt hat und was all dieser Prozessormehrtakt in der Praxis bringt. Wir haben also ein wenig in unserem Hardware-Archiv gegraben und ein paar betagte "Sahnestücke" ausgegraben, um eine kleine Gegenüberstellung zu ermöglichen.

Ein wichtiger zu beachtender Punkt bei bestehenden älteren Systemkonfigurationen scheint allerdings zu sein, dass so mancher Anwender zwar die alte Hardware weiterhin verwendet, jedoch aktuellste Software darauf betreibt. So haben wir also den aktuellen Prozessor-Spitzenreitern schlicht betagtere Modelle gegenüber gestellt und sie durch moderne Software geschickt.
Wie uns die Resultate sehr schnell vermitteln, ist zwischen einem Pentium III 650 MHz Arbeitssystem und einem Pentium 4 3.06 GHz Arbeitssystem kein Faktor 6 auszumachen, was völlig normal ist - und trotzdem liegen Welten dazwischen. Zwischen 290 und 525 % liegen die Leistungssteigerungen und, das ist wesentlich, die älteren Systeme konnten auf aktuellste Hardware im Bereich Festplatten, Speicher oder Grafikkarte zu diesem Vergleich zurückgreifen. Es ist in der Praxis allerdings kaum anzunehmen, dass sich in einem Pentium III System regelmäßig eine GeForce4 Ti Grafikkarte finden lässt. In Originalkonfigurationen könnten sich somit dann doch Steigerungen um den Faktor 6 oder mehr finden lassen.
Ein absichtlich in die Betrachtung mit aufgenommener Kandidat ist der Pentium III 1.2 GHz mit Tualatin-Core. Dieser zuletzt veröffentlichte Pentium III erfuhr in einigen Bereichen eine Überarbeitung. Er wurde, entgegen seinen Pentium III Vorgängern, in 0.13 µm statt in 0.18 µm gefertigt und besitzt zudem eine Data Prefetch Einheit, wie sie heute bei aktuellen Prozessoren quasi Pflicht ist.
Intels Pentium 4 wurde nur allzu oft vorgeworfen, dass er die MHz-Leistung verfälscht, da er, gerade im Vergleich zum Pentium III, nicht mehr die gleiche "Pro-MHz-Leistung" bzw. Instructions per Clock bringt wie sein Vorgänger. Betrachtet man sich in unserem Diagramm beispielsweise die sehr rechenintensive WinAce-Komprimierungsanwendung, so verdeutlicht sich dieser Vorwurf. Während ein 1.2 GHz PIII Tualatin hier mit 85 % über einem Pentium III mit 650 MHz (Coppermine-Core) rangiert, gelang es in dieser Umgebung einem Pentium 4 mit 2 GHz lediglich, sich mit 87 % vom kleinsten System zu distanzieren. Betrachtet man sich allerdings die weiteren Vergleiche, so wird sehr schnell deutlich, dass dies eine beschränkte Sicht der Dinge sein muss.
Intel erkannte zu einer frühen Zeit, dass die Technologie des Pentium III Prozessors ausgereizt war. Gut, eine geringfügige Überarbeitung des Cores hier, eine Spannungserhöhung dort, und schon erreicht man eine weitere Taktstufe, doch mit welchen Erfolgsaussichten? Eine komplett neue CPU-Architektur wurde also mit dem Pentium 4 präsentiert und vermutlich erst heute wird deutlich, dass der größte Halbleiterhersteller der Welt mit der Ausrichtung des Pentium 4 Designs auf höhere Taktraten den Schritt in die richtige Richtung gegangen ist.
Statt einen virtuellen Prozessor auf älterer Technologie vorzustellen, den man nicht kaufen kann, stellt der Hersteller nun einen realen Prozessor vor, der dank Hyper-Threading einen zusätzlichen virtuellen Prozessor mit sich bringt ;-). Wären wir also beim Thema unseres heutigen Reviews: Hyper-Threading.