Mit der Änderung der AGBs im beliebtesten deutschen sozialen Netzwerk StudiVZ geht ein Aufschrei durch das Web 2.0. In Zukunft soll auch personalisierte Werbung verkauft werden, die sich an den angegebenen Informationen im eigenen Profil orientiert. Zielgruppengerechte Werbung heißt das Zauberwort, welches eine höher Erfolgswahrscheinlichkeit für die Werbebranche verspricht. Wer den neuen AGBs nicht zustimmt, muss in Zukunft draußen bleiben. Damit wandelt sich das soziale Netzwerk von einer einfachen Kommunikationsplattform für Studenten — die schon längst auch andere Personengruppen erreicht hat — Schritt für Schritt zu einem kommerziellen Angebot.
Dass das den Nutzern nicht so recht gefällt, hat wohl einerseits damit zu tun, dass sich noch immer viel zu wenige Gedanken machen, wie die Internetangebote überhaupt existieren können. Auf der anderen Seite scheint eine Vielzahl an Nutzern tatsächlich immer noch an der Märchen der Privatsphäre im Internet zu glauben. Anders lässt es sich wohl kaum erklären, dass unzählige Profile von der vollständigen Adresse über den eigenen Lebenslauf und die privaten Telefonnummern quasi alle Angaben enthalten, die man im echten Leben nicht einmal gern auf Gewinnspiel-Kärtchen notiert.
Nachvollziehbar, dass sich die Werbeindustrie nach solchen Informationen die Hände reibt. StudiVZ will die Daten zwar nach eigenen Angaben nicht verkaufen, aber einer eigenen kommerziellen Nutzung steht natürlich nichts entgegen. Warum sollte man auch Informationen verkaufen, wenn sich mit ihrer "Lizenzierung" viel mehr Gewinn generieren lässt? Irgendwie muss sich ja erst einmal der Kaufpreis von geschätzten 50 bis 80 Millionen Euro rentieren.
Dass die Nutzer bei Google bereits seit Jahren ihre Daten für zielgruppengerechte Werbung hinterlegen, scheinen nur die wenigsten wahrzunehmen. Anhand der Inhalte auf Webseiten, personalisierten Suchanfragen und Suchergebnissen oder Textanalysen in privaten E-Mails können Unternehmen schon längst mit wenig Aufwand genau die Menschen ansprechen, die sie interessieren.
Aufregen hilft da wohl herzlich wenig. Warum sollte man auch? Noch sind alle Daten, die im Internet angegeben werden, freiwillig. Und wer an Promotion-Gewinnspielen teilnimmt, weiß doch auch, dass er später mit höchster Wahrscheinlichkeit Post von den Werbepartnern erhalten wird? Vielleicht sollten Nutzer wieder beginnen, etwas vorsichtiger mit ihren privaten Daten umzugehen.
[rl]