Da die RIAA im allgemeinen keinen Nachweis erbringen kann, dass ein Beschuldigter tatsächlich eine Urheberrechtsverletzung begangen hat, bestreitet sie nun wieder einmal einen neuen Weg, um doch an die mindestens 750 Dollar Schadenseratz zu kommen: In einem aktuellen Fall, in dem die Beschuldigten 54 Musikstücke rechtswidrig getauscht haben soll, argumentiert die RIAA, es handele sich bei den MP3-Dateien, die von einer legal erworbenen CD erzeugt wurden, bereits nicht mehr um rechtmäßig erstellte Kopien, wenn diese im Shared-Ordner von Kazaa abgelegt würden.
Der RIAA ist es schon einmal gelungen, ein Gericht zu überzeugen, dass das Ermöglichen einer Urheberrechtsverletzung als Urheberrechtsverletzung zu ahnden ist. Auch in diesem Fall fehlte jedweder Beweis einer tatsächlichen Urheberrechtsverletzung. Der Beschuldigte wurde für das Ermöglichen von Urheberrechtsveretzungen zu einer
sechsstelligen Geldstrafe verurteilt.
Auch wenn es sehr leichtsinnig ist, Musikdateien dieser Art ausgerechnet im Shared-Ordner von Kazaa abzulegen, so ist doch sehr fraglich, ob das alleine bereits als "Tat" zu bewerten ist, insbesondere da alleine durch die Ablage keinerlei Schaden entstanden sein kann.
Selbst wenn die RIAA das Gericht von dieser Auffassung überzeugen kann, muss sie mit weiterem Gegenwind rechnen: Ein anderes US-Gericht hatte die RIAA
aufgefordert darzulegen, wie es zu den geforderten 750 Dollar für ein Musikstück im Wert von weniger als einem Dollar kommt. Und die Ermittlungsmethoden sind auch nicht
allgemein anerkannt.
Die Versuche der kanadischen Regierung, eine US-ähnliche Rechtslage zu schaffen, wurden kürzlich wegen massiver Proteste
unterbrochen. Kanada ist auch die Heimat der
Canadian Music Creators Coalition, die sich offen gegen die Methoden der RIAA stellt. In Kanada gilt der Download für ausschließlich private Nutzung noch als zulässige Form der Privatkopie.
[an]