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 Fachkräftemangel -- inländische Arbeitskräfte ohne Potenzial?

Wirtschaft | 30.06.2007, 12:14
Die Wirtschaft in Deutschland wächst wieder, das erzählen die Medien jeden Tag. Gleichzeitig erfreuen sich die Unternehmen wachsender Nachfrage und steigenden Auftragszahlen. Wichtigste Säule ist derzeit der Export, während im Inland die Nachfrage weiter schwächelt. Mit dem Aufschwung erfolgt nun wieder der Ruf nach mehr Fachkräften, nicht nur in der IT-Industrie und Elektrotechnik, sondern auch in der Gesundheitspflege oder Metallindustrie. Gleichzeitig wird auf die hohe Auswanderungsquote hingewiesen, die um sieben Prozent auf 155.000 gestiegen sei. Die Lösung soll nun die Öffnung des Arbeitsmarktes bringen mit geringeren Einwanderungshürden bringen.

Konkret schlägt Bildungsministerin Schavan vor, das Mindestgehalt für eingewanderte Fachkräfte von bisher rund 80.000 auf 60.000 bis 40.000 Euro zu senken, um mehr Menschen die Arbeit in Deutschland zu ermöglichen. Ob das allerdings der richtige Weg ist? Vieles spricht dafür, dass die jedes bemängelte Situation hausgemacht ist und dringend langfristige Lösungen bedarf.

So ist die Einwanderungszahl einerseits mit 662.000 Menschen in 2006 rund viermal so hoch wie die Zahl der Auswanderer, sodass von zu wenig Einwanderern nicht gesprochen werden dürfte. Weiterhin beschwert sich die Bitkom über 20.000 offene Stellen, die nicht besetzt werden können; ebenso die baden-württembergische Metallindustrie.

Dabei ist jedoch interessant, dass die Zahl der Studienanfänger seit 2000 von 38.000 auf nur noch 28.000 um ein Viertel zurück gegangen ist. Gleichzeitg war die Zahl der Absolventen 2006 mit 13.600 rund doppelt so hoch wie 2000. Bedenkt man gleichzeitig, dass die Anfänger von 2000 etwa 2005 oder 2006 fertig geworden sein müssten, hat gerade einmal jeder dritte das begonnene Studium auch abgeschlossen. Gleiches Problem zeigt sich in der Elektrotechnik, wo die Zahl der Anfänger um 16.000 seit Jahren nahezu konstant bleibt, seinen Tiefpunkt jedoch um 1998 mit nur 10.000 Anfängern hatte. Hier schafft rund jeder zweite seinen Abschluss, sodass sich rund 8000 Absolventen jährlich finden. Die Nachfrage nach wichtigen Metallberufen stieg zudem zwischen 2006 und 2005 um 80 Prozent, während die Zahl der Ausbildungsplätze seit 1980 um circa 60 bis 80 Prozent zurückgegangen ist.

Man darf sich also berechtigter weiße Fragen, ob der Fachkräftemangel nicht hausgemacht ist. In anderen Ländern ist die Zahl der Studienanfänger erheblich höher als in Deutschland. Gleichzeitig wird die Bildung vom Staat dort deutlich stärker gefördert und weniger als persönliche Aufgabe des Einzelnen betrachtet. So liegt in Deutschland mit einem Anteil von 17 Prozent des BIP sogar noch unter dem OECD-Durchschnitt mit 21 Prozent und erheblich unter den Ausgaben wie Schweden, Dänemark oder Schweiz mit 25 Prozent.

Ob sich der beklagte Mangel mit den aktuellen Mitteln bewältigen lässt, bleibt klar dahin gestellt. So lobt sich die Politik regelmäßig über ihre Erfolge im Ausbildungspakt, der ausbildende Unternehmen zusätzlich fördert. Man wirbt hier mit einem Gewinn um 4,7 Prozent im Vergleich zwischen Oktober 2006 und Oktober 2005. Gleichzeitig muss man allerdings bedenken, dass die Nachfrage um 5,9 Prozent deutlich stärker gestiegen ist, man also die tatsächliche Wirkung des Ausbildungspaktes hinterfragen darf. Zudem verblieben trotz der stärkeren Nachfrage noch immer rund 160.000 Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz. Eine Zahl, die weit höher sein dürfte, wenn man diejenigen mitrechnet, die in berufsbildenden Schulen und Hilfsjobs untergekommen sind.

Man darf gespannt sein, ob derzeitige Maßnahmen für mehr Fachkräfte sorgen werden. Angesichts einer Erfolgsquote von 50 Prozent in den Ingenieur-Studiengängen, darf man sich Fragen, ob weiterhin genug Abiturienten den Mut finden, ein Studium zu wagen, wenn sie sich dafür zusätzlich verschulden müssen. Ebenso bleibt fraglich, wie weit ein deutlich abgespeckter Bachelor die Anforderungen nach hochqualifizierten Absolventen erfüllen kann. Ob es der richtige Weg ist, die eigenen Ausgaben in Bildung weiter zu reduzieren, während hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland importiert werden?

"Hundt hielt dem entgegen, auch bei vermehrten Qualifikationsanstrengungen reiche das Potenzial inländischer Arbeitskräfte nicht." Scheinbar trauen deutsche Politiker den eigenen Bürgern tatsächlich keine eigene Intelligenz mehr zu, um überhaupt in ihre Bildung zu investieren...
[rl]

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