Es ist schon fast als nicht mehr normal zu bezeichnen, was sich aktuell bei den Top-Boards der Hersteller ASUS und Gigabyte zuträgt. Schon mit Einführung der P35-Boards von Intel startete man eine gegenseitige Materialschlacht bei der Spannungsversorgung - den Wandlern für die CPU. Technisch betrachtet - im von der Industrie eingeläuteten Zeitalter der Green-IT fast undenkbar - schlägt man sich anfänglich erst 6-, dann 8- und inzwischen schon 16-Phasen-Wandler um die Ohren. Höher, schneller, weiter und "meiner ist sowieso länger als deiner". Dumm an der Sache ist dieses "Green-It-Ding" was ja was mit Energie-Effizienz zu tun haben will.
Zurückblickend halten wir erst einmal fest, dass beide Hersteller bei ihren "über-200-Euro-Boards" sich eine Schlacht um die höchste Menge an Wandlern geliefert haben. Festhalten muss man auch, dass die CPU-Hersteller seit Jahren einen Kampf um den möglichst besten Prozessor im Bereich Energie-Effizienz führen. Festhalten muss man ebenfalls, dass solche Wandler-Schalteinheiten (Güten erst einmal nach hinten gestellt) auch - wie Netzteile - über einen gewissen Wirkungsgrad verfügen. Guten Wandlern sagte man bislang einen Wirkungsgrad von 80% nach, dabei sprachen wir noch von Fünf-Phasen-Wandlern. Inzwischen muss es offenbar ein wenig mehr sein. Warum? Keine Ahnung, weil 16 eben besser sind als acht oder weil der andere mehr hat. Dumm an der Sache: der Wirkungsgrad ist natürlich von den Bauteilen mit abhängig und streng genommen hat eine 8-Phasen-Wandlung einen schlechteren Wirkungsgrad als eine 4-Phasen-Wandlung - zumindest in der Praxis.
Die Frage nach der Effizienz
Doch das kann man verbessern, wenngleich auch nicht erforderlich. Intel sieht aktuell in seinen
Vorgaben für Mainbaordhersteller vor, dass auch ein 4-Phasen-Wandler für 100 Ampere-Strom-Fluß ausreichend sei und spricht Empfehlungen aus. Natürlich haben wir in der Vergangenheit auch 5- und 6-Pahsenwandler gesehen und natürlich haben die Mainboard-Hersteller hier die Möglichkeit selbstständig zu optimieren. Offenbar hat man zuviel optimiert und die Fachmagazine halten inzwischen Augen auf die Effizienz. Und da schneiden dann plötzlich Umsetzungen der Top-Hersteller schlecht ab, denn die Energie-Effizienz scheint trotz guter Werte bei den Prozessoren zu sinken. Ein Umdenken ist nötig, zeigt sich dann aber mit noch mehr Wandlern.
Materialschlacht 1: Viele Wandler für evtentuelle Erfolge beim Übertakten - nicht energieeffizient. Materialschlacht 2: Noch mehr Wandler und viel High-End-Material, dazu gemixt mit neuen Ideen wie partiellem Abschalten von Wandlern (auch von Intel mit 4-Phasen-Designs empfohlen). Und das Ganze muss beworben werden, denn Marketing ist alles. Bei ASUS nennt sich das EPU (Energy Processing Unit), bei Gigabyte DES (Dynamic Energy Saver).
Gigabyte wirft nun ASUS Verfehlungen bei den Versprechen
vor, gar von nicht existentem EPU-Chip ist die Rede. ASUS kontert und droht an
Rechtsmittel einzuleiten. Eigentlich geht der Streit um gleiche Technologien, um vorhandene Phasenabschaltungen, welche praktisch nicht notwendig wären. Nichts desto trotz
fordert Gigabyte aktuell ASUS auf, Beweise für Marketing-Behauptungen zu liefern. De facto führt man aktuell einen Schlagabtausch im Megahertz-Bereich, der sich an Übertakter wendet und sich unschön liest. De facto betreibt man Materialschlachten, welche dazu beitragen, dass Mainboards nur wirklich über 200 Euro kosten müssen, weil sich das Material eben sonst nicht mehr bezahlen lässt. Und faktisch kann man einen Intel Quad-Core-Prozessor dennoch mit einer 4-Phasen-Wandlung betreiben, gar auch darüber hinaus.
Und faktisch dürfte man bei einem 8- oder 12-Phasenwandler auf Motherboards oftmals eine schlechere Effizienz feststellen. Und eben das ist die Schelte, welche sich ASUS- und Gigabyte-Motherboards jüngst gefallen lassen müssen - zumindest wenn es um die High-End-Platinen für den Enthusiasten geht. Der Witz: eben darum streitet man sich nun, man versucht die Streubreite solcher Wandler in den Griff zu bekommen.
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