Der Suchmaschinen-Zweite Yahoo zeigt sich nach der Aufgabe von Microsoft sichtlich überrascht und betont nochmals die eigene Verhandlungsbereitschaft. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Wochen hoch gepokert und immer wieder ein höheres Angebot gefordert. Nachdem Microsoft den geforderten Betrag nicht aufbringen wollte, zog sich der Software-Riese vom Verhandlungstisch zurück und ließ Yahoo im Regen stehen.
Offenbar bekommt man nun allerdings noch mehr Druck von den eigenen Aktionären, nachdem der Börsenwert nach diesen Nachrichten schlagartig wieder um ein Sechstel eingebrochen ist. Vielen Anteilseignern fehlt die Perspektive des Unternehmens, dass sich seit Jahren nur schwer gegen die Marktmacht Google behauptet und nicht ansatzweise mit dem Wachstum schritthalten kann.
Für Microsoft dürfte die aktuelle Entscheidung wohl die einzig richtige gewesen sein. Die Übernahme zu einem Preis von rund 45 Milliarden US-Dollar wäre selbst für das weltweit größte Software-Unternehmen eine harte Nuss gewesen und beinhaltet ein erhebliches Erfolgsrisiko. So verdiente man 2007 rund 15 Milliarden US-Dollar gegenüber Yahoo mit einem Nettogewinn von 660 Millionen US-Dollar. Der Preis ließe sich daher nur schwer rechtfertigen, zumal die Frage besteht, welche Synergien beide Unternehmen überhaupt nutzen könnten.
Microsoft investierte selbst viel Geld in die eigene Suchmaschine Live mit entsprechendem Rahmenangebot und würde sich durch Yahoo auch in Sachen MSN zusätzliche Konkurrenz ins eigene Haus holen. Das heißt, es bestehen viele Dienste in gleichen Bereichen, die sich überschneiden würden und den Wert der Übernahme nach der Integration zusätzlich schmälern.
Dass sowohl Microsoft als auch Yahoo dringend einen Ansatz benötigen, um sich gegen Google durchzusetzen, steht jedoch außer Frage. Besonders ersterer kennt die Vorteile einer starken Marktposition aus den Erfahrungen mit dem Betriebssystem Windows und dürfte alles daran setzen, dass Google diesen Vorteil im Internet nicht allzu einfach ausspielen kann.
[rl]