Das Internet wird bei einer breiteren Bevölkerungsschicht immer beliebter und erreicht mittlerweile rund 63 Prozent aller deutschen Haushalte. Markant ist allerdings der deutlich größere Anteil von Männern mit 72 Prozent, während mit 54 Prozent nur jede zweite Frau auf das Datennetz zugreift. Ebenfalls auffällig ist der Bildungsunterschied. So nutzen neun von zehn Hochschulabsolventen das Internet, während nur jeder dritte Hauptschüler ohne Lehre im Internet aktiv ist. Mit Lehre steigt ihr Anteil allerdings von 28 auf 43 Prozent. Wenn man schaut, wozu das Internet am häufigsten genutzt wird, liegen Preisvergleiche (80 %) an allererster Stelle, gefolgt von Einkäufen (67 %) und Online-Banking (53 %). Zur Information über das aktuelle Geschehen in Politik und Wirtschaft nutzt noch nicht einmal jeder Zweite das Web.
Wenn man sich nach den Ursachen für diese Statistik fragt, die von der
Forschungsgruppe Wahlen unter telefonischer Befragung von rund 4000 Bürgern durchgeführt wurde, mögen mehrere Gründe in den Sinn kommen. Der hohe Anteil der Akademiker dürfte daher rühren, dass gerade in diesem Feld schon frühzeitig auf die Vorteile des Internet zurückgegriffen wurde, um etwa Informationen bekannt zu machen. Gleichzeitig ist diese Nutzergruppe vielleicht auch von sich aus etwas neugieriger und interessiert sich eher für neue Technologien.
Dass nur lediglich jeder Zweite sich aktuelle Nachrichten zur Politik aus dem Internet holt, zum Thema Wirtschaft und Börse sogar nur jeder Dritte, steht hingegen im deutlichen Gegensatz zu den früheren Meldungen von Printmedien, die ein rapides Abwandern ihrer Leserschaft feststellen. Anhand der vorliegenden Daten kann dies nur bedingt und in schwächerem Maße bestätigt werden, wenn man bedenkt, dass zwei Drittel aller Deutschen einen Internet-Zugang haben. Noch immer scheinen andere Medien wie Fernsehen oder Tageszeitung hier eine deutliche Nasenlänge voraus zu liegen — vielleicht auch aufgrund des natürlich gewachsene Vertrauen in das gedruckte Wort.
Deutlich stärker wirkt sich das Internet wohl auf den Konsum aus. Fast jeder Internet-Nutzer vergleicht Preise online, obgleich dies noch keine Rückschlüsse darauf zulässt, wo diese Menschen letztendlich kaufen. Zwar bestellen 67 Prozent über den Computer, doch scheinen noch immer viele Anwender lieber in den Laden in der Nähe zu gehen, nachdem sie sich informiert haben. Oder sie verzichten trotz des Informierens anschließend doch auf den Kauf.
Als Fazit lässt sich wohl feststellen, dass das Internet unter den untersuchten Faktoren wohl am beliebtesten für Shopping verwendet wird, während Information erst klar an zweiter Stelle landet, wenn man Online-Banking außen vor lässt. Reduziert man diese Rangordnung auf den Punkt Sicherheit, könnte man unterstellen, dass Anwender dem weltweiten Datennetz eher bei Konsum und Bankgeschäften trauen als den zahlreichen Informationsangeboten. Als Umsatzträger für die Wirtschaft dürfte die einst "anarchische" Erfindung damit seinen Platz nun endgültig behauptet haben.
[rl]