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 OLPC mit Vorwürfen gegen Intel, nach deren Ausstieg

Notebooks | 07.01.2008, 00:47
Es sind erst wenige Tage vergangen, nachdem Intel offiziell seinen Rückzug aus dem OLPC-Projekt erklärte. Allerdings stieg Intel auch erst im Juli 2007 in das schon fast drei Jahre andauernde Projekt ein. Unterschiedliche Interessen - wirtschaftliche Interessen - sollen Grund für den Rückzug Intels aus dem OLPC-Projekt gewesen sein. OLPC-Initiator Nicholas Negroponte wollte und will mit seinem "uneigennützigen" Projekt erreichen, dass auch in Entwicklungslängern die Möglichkeit zur Teilnahme am Informationszeitalter geboten wird. Dazu sollte das "One Laptop per Child" Projekt dienen - ein möglichst günstiges PC-System mit einem ursprünglich angestrebten Preis von 100 US-Dollar, ganz ohne wirtschaftliche Interessen, sollte dieses Ziel erreichen. Doch gibt es leider nur zu selten Patente auf uneigennütziges Denken und das Rad der Wirtschaft dreht.

Noch während die OLPC weiter am Projekt arbeitete und weiter die geplanten Kosten pro "Laptop per Child" nach oben drehen musste, gab es andere, wirtschaftlich ausgerichtete Unternehmen, welche die Idee mehr oder minder als gut empfanden und im Zuge wirtschaftlichen Denkens umsetzten. Etwas teuerer als der Ideengeber, aber nicht minder innovativ und auch erfolgreich, startete ASUS seine Eee PCs, andere Hersteller wie Belinea folgten und andere Hersteller wie Gigabyte oder MSI kündigten zudem ähnliche Produkte an - um nur einige Unternehmen zu nennen, der vielen, die aus wirtschaftlichen Gründen nun auf den Zug aufspringen.

Nicht in Chile, nicht in Afrika oder anderen ärmeren Ländern startete im November dann der erste OLPC mit einer "Give One - Get One"-Aktion. Sicherlich war der Zeit- und Konkurrenzdruck mit ein Grund für den Schritt. Intel hatte unterdessen angekündigt, ebenfalls ein eigenes Modell präsentieren zu wollen - den Classmate-PC - welcher in gleiche Kerbe stoßen will. An diesem Punkt schieden sich dann offenbar zuletzt die Geister, so dass Intel seinen Ausstieg aus dem OLPC-Projekt bekannt gab.

Nicholas Negroponte hat auf Grund des Intel Statements zum Rückzug nun ein wenig ausgeholt und Vorwürfe gegen den Chipriesen ausgesprochen, insbesondere gegen das derseits unerwünschte wirtschaftliche Denken, aber auch im Hinblick zu unfairem Verhalten. Dabei stellt das Wall Street Journal in seiner Berichterstattung durchaus die Unzufriedenheit Intels über den Umstand her, dass die auf X0 getauften OLPC Maschinen auf AMD-Prozessoren aufsetzen.

Intel habe in "Zielländern für den OLPC Schaden angerichtet, seit man dort aktiv wurde. Und nachdem man Fieden in den Punkten geschlossen habe, habe Intel fortgefahren weiteren Schaden anzurichten" - so die Aussage von Nicholas Negroponte. Perus Entwicklungministerium wird hier beispielsweise zitiert. Danach hätten Verkaufsrepräsentanten von Intel nach der Zustimmung des Ministeriums zum Erwerb von 272.500 OLPCs versucht den Behörden "Angst zu machen". "Die Stromversorgung (Netzteile) würden nicht funktionieren".

Paul Ottelini - CEO von Intel - habe Negroponte gar angeboten mit einem komplett neuen OLPC, basierend auf Intel-Prozessoren starten zu können und in diesem Fall auch für ein Ende der Negativ-Äußerungen seitens der Intel Verkaufsleute im Markt zu sorgen. Die von Intel zugesagten finanziellen Beteiligungen in Höhe von weiteren 12 Millionen US-Dollar bleiben nach dem Ausstieg des Herstellers nun aus.

Ein Intel-Sprecher bedauerte dabei die Entwicklung der Beziehungen. Auch wolle man nicht zu allen Vorwürfen der OLPC Stellung beziehen. Es bliebe dabei, dass das Unverständnis der OLCP für das Intel Classmate-Projekt und das Festhalten am exklusiven XO-Projekt unglücklicherweise Grund für Intels Rückzug seien.

Glaubt man einer Meldung von heise online hat Nicholas Negroponte noch deutlichere Worte in seinem Statement gefunden. heise beruft sich in seiner Berichterstattung dabei ebenfalls auf das Wall Street Journal. Nach deren Meldung habe der OLPC-Chef folgendes ausgeführt:

"Wir sind wie die Welthungerhilfe und sie sind McDonald's. Sie können nicht gegen uns ankommen."



Diese Passage findet sich zwischenzeitlich in der Reportage des Wall Street Journals nicht mehr.

Ob ausgeführt oder nicht bleibt dahingestellt. Fakt bleibt, dass es die Wirtschaftsunternehmen sein werden, welche mit Kapital und wirtschaftlichen Interessen nun den Einzug von günstigen Laptops vorantreiben. Natürlich - die Idee wäre dort niemals selbst erwachsen und uneigennützig wäre sie auch nicht gewesen und ist sie auch jetzt nicht. Doch hat Nicholas Negroponte mit seiner Idee damit doch fast schon alles erreicht, was er erreichen wollte. Nur noch nicht, dass das OLPC-Projekt selbst zum Erfolg wird.
[pg]

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